Eine Information des WSÖ

Welpe

         Welpenaufzucht

 


Kommt es bei der Welpenaufzucht überhaupt auf etwas besonderes an? Macht die Hündin nicht alles alleine? Schließlich ist sie ein Nachkomme vom Wolf und ihr wurde dieses instinktive Verhalten angeboren. Die Hündin braucht nicht mehr, wie einen ruhigen Zwinger mit einer Hütte als Wurflager und etwas Stroh oder Heu damit es die Welpen schön warm haben. Den Rest macht sie lieber alleine. Sie möchte bei der Aufzucht sowieso nicht gestört werden, denn jedesmal wenn man an den Zwinger geht, wird sie ganz wild und böse und läßt keinen an die Welpen. Am besten man läßt ihr ihre Ruhe, bis die Welpen verkauft werden. Verweichlichen sollte man sie auf keinen Fall, und schon gar nicht die Welpen, damit sie groß und stark werden.

Wer so denkt und vor allem, wer sich von dieser Hündin einen Welpen nimmt, macht wahrscheinlich den größten Fehler seines Lebens. Denn ein Hund der unter solchen Umständen groß wird, wird nie ein anständiger, treuer Haus- und Familienhund, da ihm die Grundlage für ein gesundes Sozialverhalten zum Menschen und seiner Umwelt entzogen wurde. Doch davon später.

Beginnen wir bei der trächtigen Hündin, die alles andere als einsam sein möchte. Auch wenn mit ihr in dieser Zeit nicht viel anzufangen ist, da sie ein gesteigertes Schlafbedürfnis hat, so sucht sie aber trotzdem den engen Kontakt zu ihrem "Rudel", der Familie in der sie lebt. Denn wie der Wolf ist sie ein Rudeltier, das während der Trage- und Aufzuchtzeit die Ruhe und den Schutz des Rudel braucht. Dort fühlt sie sich sicher und geborgen und weiß, daß ihr jemand beisteht.

In dieser Zeit hat sie nicht nur ein gesteigertes Schlafbedürfnis sondern auch noch einen größeren Appetit, um die Welpen die in ihr heranreifen auch gut zu versorgen. Ein guter Züchter wird ihr deswegen nicht nur einfach mehr Futter geben, sondern darauf achten, das dieses Futter besonders hochwertig ist und den Ansprüchen der Hündin gerecht wird. Denn für ihn bedeutet das kräftige und gesunde Welpen und eine kräftige und gesunde Hündin, die nach der Welpenaufzucht nicht erst gepäppelt werden muß, weil sie so ausgelaugt ist. Das alles bedeutet nicht, daß man die Hündin den ganzen Tag ruhen und fressen lassen soll, das wäre nämlich genauso falsch. Damit sie kräftig und ausdauernd genug für eine anstrengende Geburt ist, sollte sie bis kurz vorher genauso viel Auslauf und Bewegung haben wie immer, das schadet ihr bestimmt nicht und nicht nur für sie, sondern auch für die Welpen bedeutet das eine schnellere und somit leichtere Geburt.

Wie oben erwähnt sucht die Hündin die Nähe und den Schutz zu ihrem "Rudel". Das heißt, sie möchte ganz bestimmt nicht einsam und allein werfen und schon gar nicht in einem Zwinger in dem sie Hitze und Kälte, Wind und Wetter ausgesetzt ist, denn sie ist zwar ein Nachkomme der Wölfe, aber wir züchten Haus- und Familienhunde, die für ein Leben in freier Natur schon lange nicht mehr geeignet sind.

Am besten wäre ein Wurflager im oder am Wohnhaus in dem die Hündin lebt, in ihrer gewohnten Umgebung, damit sie sich sicher und geborgen fühlt. Ein Wurflager, das in einem freundlichen Raum untergebracht ist, in dem es auch der Züchter längere Zeit aushält um seiner Hündin Gesellschaft zu leisten. Dieser Raum sollte den Welpen später Platz zum Spielen bieten, aber frei von Gefahrenquellen, wie zum Beispiel Stromkabel, etc., sein. Er sollte trocken und hell sein und vor allen Dingen, leicht zu reinigen. Wasser und Stromanschluß wären von Vorteil. Optimal wäre ein direkter Zugang zu einem Freilauf, da die Welpen ab ca. der 4 oder 5 Woche möglichst oft und viel in der freien Natur ihre Erfahrungen sammeln sollen. Das bezieht sich auch auf die Wintermonate, da dadurch eine optimale Abhärtung der Welpen gegeben ist.

Aber abgesehen davon, daß die Hündin nicht allein sein möchte, würde sie ein guter Züchter auch während der Geburt niemals aus den Augen lassen, damit er im Falle von Komplikationen sofort tierärztliche Hilfe holen kann. Denn ganz so natürlich und einfach geht es bei einer Hundegeburt doch nicht immer zu. Wirft eine Hündin alleine in ihrem Zwinger, sieht niemand ob es ihr oder einem ihrer Welpen schlechter geht. Wir halten das für unverantwortlich und entziehen in krassen Fällen den Zwingerschutz.

In der ersten Zeit sind die Welpen noch sehr unselbständig, sie sind auf die Wärme und Pflege ihrer Mutter angewiesen. Sie sind noch blind und taub und wollen nur schlafen und gesäugt werden und machen einen riesen Krach, wenn sie nicht gleich bekommen was sie wollen. Ein guter Züchter beobachtet seine Welpen und seine Hündin gut, damit ihm nichts entgeht. Wichtig sind für ihn der Ernährungszustand der Welpen, er wird sie anfangs täglich wiegen, auf die Ausscheidung achten und auf Besonderheiten in der Entwicklung. Es sollte alles genau dokumentiert werden, denn bei so vielen Welpen, die sich in der Regel anfangs noch sehr ähneln, kann leicht das eine oder andere Beobachtete vergessen werden. Nur so kann man gleich irgendwelche Veränderungen bemerken und danach handeln.

Aber auch die Hündin sollte täglich genau angeschaut werden, wie ihr Ernährungszustand ist, ob sie eventuell mehr Futter braucht, oder eventuell anderes Futter benötigt, das ihren Bedürfnissen gerecht wird. Wichtig ist, wie sich ihr Gesäuge entwickelt, ob es gerötet, zerkratzt oder wund ist und vor allem, wie die Milch aussieht, denn bekommt die Hündin eine Entzündung der Milchdrüsen, ist das sehr gefährlich für die Welpen, die dann die verkeimte Milch aufnehmen.

Aber nicht nur eine gute Beobachtung und Pflege sind äußerst wichtig, sondern vor allem der Kontakt zu Mensch und Umwelt. Der kleine Welpe wird ca. ab der 3. Lebenswoche geprägt. Das bedeutet, er lernt ab seiner frühesten Kindheit für sein Leben. Er kommt etwa bis zum 6.Lebensmonat in Phasen, in denen er Dinge kennen lernen muß, die für sein weiteres Verhalten von größter Wichtigkeit sind. Verstreicht so eine Phase, ohne daß er geprägt wurde, ist sie unwiderruflich vorbei. Deshalb ist es enorm wichtig, daß der Welpe so früh wie möglich menschlichen Kontakt, Kontakt mit Kindern und Kontakt mit der Natur und der Umwelt hat, um Vertrauen für sein weiteres Leben aufbauen zu können. Fehlen dem Welpen diese prägenden Erfahrungen in seiner Jugend, wird er immer zurückhaltend und mitunter auch scheu sein und nur schwer Zugang zu anderen Menschen finden. Oder er wird extrem aggressiv, dann aber nicht aus seiner Stärke heraus, sondern nur, weil er Angst vor Menschen hat, denen er mißtraut.

Da es aber nicht nur ein Familienhund, sondern auch ein Begleit- Arbeits- und Gebrauchshund werden soll, muß schon der kleine Welpe seine spätere Umwelt kennen lernen, damit er sein Herrchen auch überall hin begleiten kann. Sei es in ein Restaurant zum Essen oder zum Einkaufsbummel in die Fußgängerzone, er sollte sich überall selbstbewußt und anständig benehmen und nicht vor Angst und Unsicherheit die Rute klemmen. Deswegen muß schon der kleine Welpe, sobald seine Sinne entwickelt sind, raus aus den schützenden Wänden des Wurflagers. Er benötigt ca. ab der 4. oder 5.Lebenswoche viel Auslauf im Garten, wo er Bekanntschaft mit allerlei Geräuschen und Lärm machen kann, wo er Autos, Kindergeschrei, den Wind, das Wetter und das Alltagsleben schlecht hin hautnah miterleben kann, um auch später all dem furchtlos gegenüber zu stehen.

In unserem Verband wird daher kein Zwingerschutz erteilt, wenn der Züchter nicht genügend direkten Auslauf für seine Welpen schafft, in dem sie nach Belieben aus und einmarschieren können. Reine Wohnungszüchtungen sind stricktest abzulehnen und werden von uns nicht toleriert.

Natürlich kommt auch auf den neuen Besitzer in dieser Hinsicht eine Menge Arbeit zu, will er den neu erstandenen Welpen artgerecht weiterprägen, jedoch die Wiege zu allem zukünftigen Sein oder Nichtsein des Welpen liegt eindeutig beim Züchter. Ein gut sozialisierter Welpe wird sich problemlos in seine neue Umgebung eingewöhnen, da sich für ihn nur die Bezugspersonen geändert haben, er ansonsten aber nicht in eine völlig fremde Welt kommt.

Um den Hund gesund und frei von Parasiten abzugeben, ist ein guter Züchter darauf bedacht, daß seine Hunde 14-tägig entwurmt und spätestens in der 8. Lebenswoche geimpft werden. Nur ein schlechter Züchter wird das nicht tun, denn das würde bedeuten, daß er Ausgaben hätte.

Wenn man nun all diese Punkte beachtet, die viele Zeit und Liebe die ein guter Züchter für seine Hunde aufbringen muß, die räumlichen und äußeren Gegebenheiten, die vorhanden sein müssen, die Erfahrung und das Wissen, das sich der Züchter aneignen muß, zeigen, daß die Hundezucht nur in verantwortungs- volle Hände gehört. Aus diesem Grund müssen auch "neue" Züchter, die nach dem 1.1.95 in unserem Verband Zwingerschutz beantragen, vorher eine Prüfung ablegen, bevor sie Zwingerschutz erhalten. Das Wohl unserer Hunderasse bzw. unserer Hunde muß jedem Züchter am Herzen liegen, will er auf Dauer erfolgreich sein. Wer so denkt schließt sich bereitwillig einem Verband an, der Zuchtrichtlinien zu Wohle der Hunde schafft und nicht zum Wohle der Züchter.

Wer sich also einen gesunden, charakterstarken und menschenbezogenen Welpen anschaffen möchte, sollte sich die Umstände in denen ein Hund groß wird, genau anschauen, denn, wie oben aufgeführt, gehört zum Züchten ein Bisschen mehr als nur ein Zwinger und eine Hündin.

   

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